Koblenz hat mehr zu bieten!

BI „Unsere Altstadt“ fordert eine stärkere Verknüpfung von Tourismus, Kultur und lokaler Wertschöpfung und fordert übergreifende Strategie ein

Koblenz ver­fügt über ein erheb­li­ches tou­ris­ti­sches Poten­zi­al. Doch nutzt die Stadt ihre Mög­lich­kei­ten wirk­lich aus? Die Bür­ger­initia­ti­ve „Unse­re Alt­stadt“ sieht Anlass, die stra­te­gi­sche Aus­rich­tung der tou­ris­ti­schen Ver­mark­tung kri­tisch zu hin­ter­fra­gen. Im Mit­tel­punkt steht die Fra­ge, ob die kul­tu­rel­len Stär­ken der Stadt kon­se­quent als Motor für zusätz­li­che Über­nach­tun­gen, län­ge­re Auf­ent­hal­te und mehr Wert­schöp­fung vor Ort ein­ge­setzt wer­den.

Die Zah­len ver­deut­li­chen die Dimen­si­on: 2025 ver­zeich­ne­te Koblenz rund 892.500 Über­nach­tun­gen. Hin­zu kom­men Tages­gäs­te und Schiffs­rei­sen­de; allein für die tou­ris­ti­sche Schiff­fahrt wur­den 2024 rund 156.600 Gäs­te aus­ge­wie­sen. Die­ses Besu­cher­po­ten­zi­al bie­tet Chan­cen, die Auf­ent­halts­dau­er zu ver­län­gern und zusätz­li­che Wert­schöp­fung für die Alt- und Innen­stadt zu erschlie­ßen.

Koblenz hat dafür weit mehr zu bie­ten als bekann­te Sehens­wür­dig­kei­ten und Frei­zeit­at­trak­tio­nen. Mit dem umfas­send sanier­ten Stadt­thea­ter, der Rhei­ni­schen Phil­har­mo­nie, dem Mit­tel­rhein-Muse­um und wei­te­ren kul­tu­rel­len Ein­rich­tun­gen besitzt die Stadt eine Infra­struk­tur, die auch für einen anspruchs­vol­len Kul­tur- und Städ­te­rei­se­tou­ris­mus attrak­tiv sein kann.

Die Bür­ger­initia­ti­ve fragt des­halb, wel­chen Stel­len­wert die­se Ange­bo­te in der über­grei­fen­den Ver­mark­tungs­stra­te­gie der Koblenz-Tou­ris­tik tat­säch­lich ein­neh­men. Wer­den Thea­ter­auf­füh­run­gen, Kon­zer­te und Aus­stel­lun­gen als eigen­stän­di­ge Rei­se­an­läs­se bewor­ben? Gibt es attrak­ti­ve, buch­ba­re Kom­bi­na­tio­nen aus Kul­tur­ver­an­stal­tung, Hotel­über­nach­tung, Gas­tro­no­mie und Stadt­füh­rung? Und wer­den die Mög­lich­kei­ten genutzt, sol­che Ange­bo­te gezielt mit der Fluss­kreuz­fahrt­bran­che zu ver­bin­den?

Gera­de ange­sichts der erheb­li­chen öffent­li­chen Inves­ti­tio­nen in die Sanie­rung des Stadt­thea­ters – mit einem genann­ten Inves­ti­ti­ons­vo­lu­men von rund 45 Mil­lio­nen Euro – soll­te es ein gemein­sa­mes Anlie­gen von Stadt, Tou­ris­mus­or­ga­ni­sa­ti­on und Kul­tur­in­sti­tu­tio­nen sein, des­sen Poten­zi­al auch tou­ris­tisch zu erschlie­ßen. Das­sel­be gilt für die Rhei­ni­sche Phil­har­mo­nie und das Mit­tel­rhein-Muse­um. Ihre Ange­bo­te soll­ten nicht nur neben­ein­an­der bestehen, son­dern als Teil eines gemein­sa­men kul­tu­rel­len Pro­fils der Stadt erkenn­bar und buch­bar wer­den.

„Tou­ris­mus darf sich nicht allein an Besu­cher­zah­len mes­sen las­sen. Ent­schei­dend ist auch, wie lan­ge Gäs­te blei­ben, wel­che Ange­bo­te sie nut­zen und wie viel Wert­schöp­fung in unse­rer Stadt ent­steht.“

Vor die­sem Hin­ter­grund stellt sich auch die Fra­ge nach den Prio­ri­tä­ten der tou­ris­ti­schen Ver­mark­tung. Wenn eine Zipli­ne als beson­de­res High­light her­aus­ge­stellt wird, wäh­rend die kul­tu­rel­len Qua­li­tä­ten Koblenz in der Gesamt­stra­te­gie ver­gleichs­wei­se wenig Gewicht erhal­ten, ist eine kri­ti­sche Dis­kus­si­on über die Aus­rich­tung der Ver­mark­tung berech­tigt. Frei­zeit­an­ge­bo­te kön­nen eine sinn­vol­le Ergän­zung sein. Sie erset­zen aber kei­ne ganz­heit­li­che Stra­te­gie, die das beson­de­re Pro­fil einer Stadt lang­fris­tig stärkt.

Die BI „Unse­re Alt­stadt“ for­dert des­halb eine stär­ke­re Zusam­men­ar­beit zwi­schen Koblenz-Tou­ris­tik, Thea­ter, Rhei­ni­scher Phil­har­mo­nie, Mit­tel­rhein-Muse­um, Hotel­le­rie, Gas­tro­no­mie und Schiff­fahrts­un­ter­neh­men. Ziel soll­te es sein, aus den vor­han­de­nen Ange­bo­ten attrak­ti­ve Gesamt­pa­ke­te zu ent­wi­ckeln, die neue Besu­cher­grup­pen anspre­chen, zusätz­li­che Über­nach­tun­gen ermög­li­chen und die Innen­stadt wirt­schaft­lich stär­ken.

Dazu gehört auch Trans­pa­renz: Wel­che Kul­tur­ange­bo­te wer­den in der tou­ris­ti­schen Kom­mu­ni­ka­ti­on beson­ders her­vor­ge­ho­ben? Wel­che kon­kre­ten Koope­ra­tio­nen und buch­ba­ren Kul­tur­ar­ran­ge­ments bestehen? Und wel­che mess­ba­ren Effek­te erzie­len die­se für Über­nach­tungs­zah­len und loka­le Wert­schöp­fung?

Koblenz hat das Poten­zi­al, nicht nur als Aus­flugs­ziel, son­dern als Kul­tur­stadt mit Auf­ent­halts­qua­li­tät wahr­ge­nom­men zu wer­den. Die­ses Poten­zi­al muss kon­se­quen­ter genutzt wer­den – im Inter­es­se der Kul­tur­schaf­fen­den, der Alt­stadt, der ört­li­chen Wirt­schaft und der gesam­ten Stadt­ge­sell­schaft.

Die BI „Unse­re Alt­stadt“ plä­diert für eine Tou­ris­mus­stra­te­gie, die die kul­tu­rel­len Stär­ken der Stadt stär­ker in den Mit­tel­punkt rückt, unter­schied­li­che Besu­cher­grup­pen gezielt anspricht und den wirt­schaft­li­chen Nut­zen für Koblenz nach­hal­tig erhöht.

Dies soll­te auch mit Blick auf die BUGA 29 zeit­nah ange­gan­gen wer­den.